Wir brauchen eine gemeinsame transnationale Politik in Europa!

"Die Welt von morgen – ein souveränes demokratisches Europa und seine Feinde“, so der Titel des erst kürzlich erschienenen Essays von Robert Menasse, den er am 21. April im Rahmen der Reihe „Lesen zu Europa“ in der Bel étage in Saarbrücken über 60 Gästen vorstellte.

Moderiert von Peter König, bekannt aus Radio und Fernsehen des Saarländischen Rundfunks, gab Robert Menasse zunächst einen sehr kurzweiligen und amüsanten Einblick in seinen EU-Roman „Die Erweiterung“, der sich mit der Erweiterungspolitik der Europäischen Union befasst. Auf kluge und geistreiche Weise verknüpft Menasse darin das Weltgeschehen und individuelle Schicksale mit dem nötigen Weitblick und einer gesunden Portion Wortwitz.

Nach diesem heiteren Einstieg las Menasse einige Passagen aus „Die Welt von morgen“ vor: eine Streitschrift für das Friedensprojekt Europa. Menasse erklärt und verteidigt darin die europäische Idee, regt aber auch dazu an, die systemischen Widersprüche der Union zu hinterfragen: „Wenn man die demokratische Idee wirklich ernst nähme, dürfte die EU kein 'Club von Nationalstaaten' mit unterschiedlichen politischen Systemen bleiben“, so Menasse.

Auf die Forderung aus dem Publikum nach einem Narrativ für die EU entgegnete Menasse, dass doch bereits ein Narrativ existiere: Nachdem der Nationalismus Europa in Schutt und Asche gelegt hat und damit die europäische Zivilisation zerstört wurde, haben die Gründerväter des europäischen Einigungsprojekts daraus eine Lehre gezogen und den ersten nachnationalen Kontinent aufgebaut.

Nach gut eineinhalb Stunden mündete die kurzweilige und spannende Lesung in einen Empfang mit Umtrunk und Fingerfood-Snack, bei dem die Teilnehmenden es nicht versäumten, sich weiter auszutauschen und die vor Ort erworbenen Bücher von Menasse persönlich signieren zu lassen.

(Text: ASKO Europa-Stiftung)