Vertriebene, was wollt ihr, wer seid ihr?

12.02.2010 von Dr. Hanno Thewes

Im Gegenteil: Wenn Abgeordnete wie Frau Steinbach, die noch 1990 im Bundestag gegen die Anerkennung der polnischen Westgrenze gestimmt hat, heute immer noch auftreten und die Vertriebenenmonstranz vor sich hertragen, dann wird Erinnerung und Versöhnung erschwert und damit ein wichtiger Teil europäischer Friedenspolitik behindert: die Aussöhnung mit Polen. Was mit Frankreich nach dem zweiten Weltkrieg vorbildhaft gelungen ist, wird seit Jahrzehnten von den Vertriebenenverbänden hintertrieben. Ich meine: 
Die Vertriebenenverbände müssten sich eigentlich langsam selbst in Frage stellen. Die wenigen noch lebenden Mitglieder, die die Vertreibung  als Jugendliche oder junge Erwachsene selbst bewusst erlebt haben, sind mittlerweile alle hochbetagte Ruheständler. Ihre  Nachkommen sind Vertreibene aus zweiter und dritter Hand. Sie können nicht mehr das Auslegungsmonopol für diesen Teil der Geschichte beanspruchen. Sie benutzen nur das leidvolle Schicksal ihrer Vorfahren als moralischen Vorwand zur eigenen Machtabsicherung in der Politik.

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