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Neueste Blog-Beiträge

20.09.2014 von Andreas Haan

Schottland bleibt ein Teil Großbritanniens

Am Donnerstag, 18. September 2014 entschieden sich die Schotten in einem Referendum für den Verbleib in Großbritannien. Im Grunde genommen stellt das Referendum ein positives Zeichen für die Demokratie dar. Insgesamt verhielt sich Großbritannien im Vorfeld und am Wahltag selbst souverän und demokratisch. Der Verbleib Schottlands in Großbritannien kann auch als Plus für ihre Europafreundlichkeit gewertet werden.

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16.09.2014 von Dr. Hanno Thewes

Ja zur Juncker-Kommission

Die Europa-Union Saar begrüßt den Zuschnitt der Juncker-Kommission. Der Aufbau mit sieben Vizepräsidenten, die wichtige Politikfelder koordinieren, ist eine echte Politikinnovation. Damit wird das Schubladendenken des traditionellen Verwaltungsaufbaus überwunden.

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Pressemitteilungen

18.03.2017

Wahlprüfsteine zur Landtagswahl 2017

Im Vorfeld der Landtagswahl am 26. März 2017 formulierte der Landesvorstand der Europa-Union Saar Wahlprüfsteine - hier das Ergebnis. Wir wünschen gespannte und spannende Lektüre.

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Europa-Union Saar > Aktivitäten > Berichte > Italien zu Gast in der Villa Europa

Italien zu Gast in der Villa Europa

Tiefer Einblick in die Politik Italiens

Gastvortrag von Europawissenschaftler Piero Graglia vor vollem Haus

Zum Anlass des Jubiläums „150 Jahre nationale Einheit Italiens“ hatte der Bezirksverband  Saarbrücken der Europa-Union Saar in die Villa Europa eingeladen. Der Politikwissenschafter Piero Graglia von der Universität Degli Studi Mailand referierte dort vor rund 70 interessierten Besuchern über sein Land.

Begrüßt wurde der gebürtige Toskaner von der Bezirksvorsitzenden der Europaunion Saarbrücken,  Tina Schöpfer, die als Romanistin und Politologin selber längere Zeit in Italien studiert und gelebt hatte.  Im fließenden italienisch stellte sie den rund dem Publikum das „Phänomen“ Italien vor, das viele Deutsche fasziniert und zugleich erschreckt: kaum ein anderes Land ruft so viele konträre Bilder hervor wie die Stiefelrepublik. Denn Italien steckt einerseits voller Kultur und verzaubert uns mit Sonne und unvorzüglicher Küche, andererseits gerät das Land mit Mafia und politischen Skandalen um Medienmogul Berlusconi in die Schlagzeilen.

Unter dem Titel „Vom Zug der Tausend Garibaldis bis zu Berlusconi“  lag der Fokus auf den politischen Wandel im 19. und frühen 20. Jahrhundert, den das heutige Italien im Laufe seiner Geschichte durch verschiedenste Regime durchlebt hat. Der Bezug auf die Gegenwart und der Einfluss der Europäischen Union für die Entwicklung des Landes waren ebenso Thema dieses Abends.

Pasquale Marino, Tina Schöpfer, Prof. Piero Graglia, Hanno Thewes, Peter Strobel, Roland König, Elfriede Nikodemus
V.l.n.r.: Pasquale Marino, Tina Schöpfer, Prof. Piero Graglia, Hanno Thewes, Peter Strobel, Roland König, Elfriede Nikodemus

Große Portion Eigenkritik: politische Instabilität und soziale Probleme

Viele kritische Töne waren von Landsmann Piero Graglia über sein Land  zu hören.  Schon zu Beginn seines rund einstündigen Vortrags überraschte er mit provokanten Aussagen, dass „die heutigen Probleme nicht viel anders sind als damals“, zu Zeiten der Gründung des modernen Staates. Denn Fakt sei, dass Italien noch heute mit vielen sozialen Problemen kämpfe. Dies belegte der Historiker und Politikwissenschaftler an mehreren Beispielen wie die noch heute sehr hohe Analphabetenrate , die nur auf 8-Jahre begrenzte Schulpflicht, das starke Nord-Süd-Gefälle und das Aufflammen der besonders im Norden starken fremdenfeindlichen Partei „Lega Nord“. Thema waren auch die hohe Verschuldung und mangelhafte Steuerpolitik, durch die dem Staat jährlich mehr als 120 Milliarden Euro entzogen werden, oder die exorbitanten Staatsbeamtengehälter. Eindrücklich erläuterte Graglia, wie diese im Kontrast zu den minder bezahlten Löhnen außerhalb der Regierungskreise stehen. „Ein italienischer Abgeordneter verdient im Schnitt 14.000 Euro im Monat, selbst in den Länderregierungen verlangt man solche Größen. Ein italienischer Busfahrer verdient vielleicht gerade mal 1000 Euro.

Drahtfigur Silvio Berlusconi

Viele dieser Probleme herrschen auch in Deutschland oder anderen europäischen Ländern- doch mit einem Blick auf die politischen Verhältnisse in seinem Land versuchte Graglia die eigentümlichen Zustände seiner Regierung zu veranschaulichen. Silvio Berlusconi („über ihn muss man nicht viel Worte verlieren“)  sei ein Drahtzieher, könne sich mit seiner Medienmacht die Politik kaufen, das sei bekannt. Insbesondere das Fehlen einer starken linken Opposition sei ein Problem, der es an charismatischen Leuten fehle oder deren Kandidaten, so wie Romano Prodi, am Zustand des Parteiensystems zerbrechen. Auch appelliere Berlusconi oft an sein Volk, seine Partei zu wählen, die „Italien vor den Faschisten bewahre“ - eine Gefahr, die heute eigentlich gar nicht mehr bestehe.

Die fehlende Trennung zwischen Staat und Medien verschärft nach Auffassung Graglias die bildungspolitischen Schwierigkeiten des Landes. Weder in Politik noch in den Medien spreche man in Italien die großen sozialen Probleme aus, so lautete ein Hauptkritikpunkt Graglias. Dies führe zu einer „Anästhesierung der politischen Welt und Öffentlichkeit“, gar einer „Verdummung“ im Land. Letztere scheint  Ministerpräsident Berlusconi nicht zu bekümmern. „Die Republik besteht nicht nur aus Intellektuellen. Es sind die Siebtklässler, die auch nicht mal in der ersten Reihe sitzen. Und zu denen muss ich sprechen“, sagte der Staatschef jüngst gegenüber der Presse.

Graglia bemühte sich während seines Vortrages um Sachlichkeit, was ihm manchmal sichtlich schwer fiel. Entschuldigend, so schien es, betonte der sympathische Dozent seine bedingungslose Liebe zu seinem Vaterland. Sein kritischer Vortrag aber bereicherte die spätere Debatte zwischen italienischen, deutschen und französischen Europafreunden.

Italien fährt pro-europäischen Kurs

Wenig positive Kritik ließ Gastdozent Graglia verkünden. Eine aber war, dass Berlusconis Partei, die PDL (Populo della Libertà), sich klar zu Europa bekennt. Die EU, so der Mailänder Politikwissenschaftler, habe sehr viel zum Modernisierungsprozess Italiens beigetragen. Heute zählt die Halbinsel zu dem viertgrößten Geberland. „Wir brauchen  einen, der bestimmt“, sagte Graglia stellvertretend für sein Heimatland und verwies nochmals auf die innenpolitische Instabilität.  Dass die EU immer mehr an Zuspruch verliert, liegt nach Auffassung des Mailänder Wissenschaftler an der mangelnden Integration, die ein effektives Handeln so erschwere. „Die EU hat eine fortgeschrittene Wirtschaftsintegration, aber  17 verschiedene Armeen,  17 verschiedene Steuer-, Wirtschafts- und Außenpolitiken“.

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