Von Saarbrücken nach Tirana – Europa Union lud zum Abschied der italienischen Konsulin Dr. Susanna Schlein zu einer Vortragsveranstaltung ein

28 Jahre alt war Dr. Susanna Schlein, als sie die Leitung des italienischen Konsulats in Saarbrücken übernahm. Nun wird das Konsulat geschlossen, und die bei ihrem Amtsantritt jüngste Konsulin der Welt übernimmt Ende August in Tirana, der Hauptstadt Albaniens, eines der größten Konsulate Italiens. Zum Abschied von Dr. Susanna Schlein hatte die Europa Union – Landesverband Saar am 22. Juni zu einer Vortragsveranstaltung in der Saarbrücker „Luminanz“ eingeladen. Unter dem Motto „Vier Jahre Saarland aus italienischer Perspektive“ zog die scheidende Konsulin eine Bilanz ihrer Amtszeit und gab dem Publikum zugleich einen Einblick in die Strukturen des konsularischen Netzes Italiens.

Mit weltweit 326 Vertretungen im Ausland – davon 123 Botschaften, 103 Konsulate und 90 Kulturinstitute – verfüge Italien über das viertgrößte konsularische Netz der Welt, berichtete Schlein. Lediglich Großbritannien, Frankreich und Deutschland seien mit einer noch größeren Zahl von Vertretungen außerhalb ihrer Landesgrenzen präsent. Die Funktionen der Konsulate sei je nach Standort verschieden: mal dominierten Wirtschaftsfragen, mal politische Aspekte. „Hauptaufgabe der italienischen Konsulate ist es, der italienischen Gemeinde im jeweiligen Land zu helfen und administrative Dienstleistungen zu erbringen.“ Hierzu gehört etwa die Organisation von Wahlen für ausgewanderte italienische Staatbürger, das Ausstellen von Pässen und standesamtlichen Urkunden, aber auch die Erteilung von Visa für Nicht-Italiener. Weltweit leben nach Auskunft von Susanna Schlein rund vier Millionen italienische Staatsbürger außerhalb ihres Landes.

Italiener im Saarland gut integriert – Nachholbedarf im schulischen Bereich

Im Saarland bildet die italienische Gemeinde mit rund 22.500 Personen die größte Migrantengruppe. „In allen anderen deutschen  Bundesländern leben mehr Türken als Italiener“, so Schlein. Die Italiener seien hier gut integriert. „Aber es ist nicht alles perfekt.“ Eines der Probleme, derer sich die Konsulin in den vergangenen vier Jahren widmete, ist der geringe Anteil italienischer Schüler an Gymnasien. „Wir haben versucht, italienische Familien besser über das deutsche Schulsystem zu informieren, das sich wesentlich vom italienischen unterscheidet“, berichtete Schlein. So wechseln in Italien alle Kinder nach der Grundschule auf die Sekundarschule, die Entscheidung für den weiteren schulischen Werdegang fällt erst  im Alter von 14 Jahren. Daher werde die Bedeutung, die den Schulnoten während der Grundschulzeit in Deutschland zukommt, von vielen italienischen Eltern unterschätzt.

Hinzu komme bei vielen Kindern ein „psychologisches Problem“: In Deutschland werden sie als Italiener wahrgenommen, in Italien als Deutsche. „Viele lehnen es daher ab, die italienische Sprache zu lernen“, weiß Schlein. Doch ein fundierter Unterricht in der Muttersprache erleichtere es Kindern nachweislich, korrektes Deutsch zu sprechen und zu schreiben. Daher habe das Konsultat Italienischkurse an Schulen organisiert, und ganz bewusst auch deutsche Schüler zur Teilnahme motiviert. „Diese Kurse werden weiterlaufen“, versicherte Dr. Susanna Schleim. Auch der Austausch mit dem Kultusministerium sei durch die Schließung des italienischen Konsulats in Saarbrücken nicht gefährdet.

Generalkonsulat in Frankfurt künftig für das  Saarland zuständig – Büro in Saarbrücken bleibt als Anlaufstation vor Ort

Das Saarland werde Teil des Konsularbezirks Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland und falle damit in die Zuständigkeit des Generalkonsulats in Frankfurt am Main.

Natürlich sei die Schließung des Konsulats in Saarbrücken  bedauerlich. Gleichwohl gebe es dafür „sicher gute Gründe“, so Schlein diplomatisch. Ziel Roms sei es, größere Standorte zu stärken, um die vorhandenen Ressourcen besser zu nutzen. Für die Italiener im Saarland hatte sie  dennoch eine gute Nachricht: „Es wird ein Büro in Saarbrücken geben, niemand muss nach Frankfurt fahren, wenn er vom Konsulat etwas braucht.“ Ein Kompromiss, der der Konsulin den Abschied vom Saarland vielleicht ein wenig leichter macht.

„Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagte Dr. Susanna Schlein zum Abschied. „Die Zeit hier in Saarbrücken war die wichtigste berufliche Erfahrung, die ich in meinem Leben bisher gemacht habe.“

Konsulate – ein Relikt aus der Zeit der Nationalstaaten?

„Ich glaube, dass die italienischen Bürger hier im Saarland nicht nur traurig sind, weil das Konsulat in Saarbrücken geschlossen wird, sondern vor allem auch darüber, dass dies mit ihrem Fortgang verbunden ist.“ Mit dieser Einschätzung sprach Arno Krause, der Ehrenvorsitzende der Europa Union – Landesverband Saar, vielen im Saal aus der Seele.
Susanna Schlein sei es nicht nur gelungen, die Herzen ihrer Landsleute zu erobern, sondern auch die der übrigen Saarländer.

So schmerzlich die Schließung des Konsulats in Saarbrücken für viele Italiener auch ist – für Arno Krause liegt es auf der Hand, dass sich das zu Zeiten der Nationalstaatlichkeit geschaffene konsularische Netz im Zeitalter der Europäischen Union  wandeln wird: „Wenn es uns mit der EU ernst ist und wir wollen, dass die Menschen ein europäisches Gefühl   entwickeln, kommen wir nicht umhin, auch über die Frage nachzudenken, ob wir Konsulate und Botschaften noch in dem Maße brauchen, wie dies früher der Fall war.“   

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